ENDOMETRIUMDIAGNOSTIK

Warum Endometriumdiagnostik?

Die endometriale Rezeptivität ist für einen Embryo nur in einem vergleichsweise kurzen Zeitfenster von ca. 72 h im Zyklusgeschehen gegeben. Diese Phase des „window of implantation“ (WOI) zeichnet sich durch morphologische, immunologische, mikrobielle, molekulare und genetische Aspekte des tissue remodeling aus. Eine Identifikation des WOI bietet in der Kinderwunschbehandlung eine Präzision des Behandlungstimings.

Wir realisieren die WOI-Diagnostik in einem interdisziplinären Ansatz.
Neben der differenzierten Befundmitteilung geben wir gezielte Therapievorschläge, die hormonelle Therapie, abgestimmte Antibiotikatherapie, Ernährungsanpassung und Empfehlungen zur Stoffwechselmodulation enthalten können. Behandlungsziel ist die Optimierung der Implantationsumgebung und des Schwangerschaftsverlaufs.

Für die Gewebeentnahme mit einer Pipelle gibt es zwei diagnostische Szenarien.

Die Biopsie kann 1.) im Spotanzyklus, oder 2.) nach gezielter hormoneller Vorbereitung des Endometriums erfolgen.

1.) Bei den Endometriumbiopsien im Spontanzyklus ist eine Beurteilung auf Homogenität der Entwicklung der einzelnen Zellkompartimente (luminale und glanduläre Epizthelien,
Sekretionsmuster, Stromazellen, Dezidualisierungsreaktion, Vaskularisation, Immunzellen) im Vordergrund. Zusätzlich kann eine Überprüfung auf Hinweise für eine Endometritis erfolgen.
Die chronische Endometritis tritt bei etwa 10–20 % der Patientinnen mit ungeklärten
wiederholten Aborten und wiederholtem Implantationsversagen auf.

2.) Die spezifische Diagnostik des WOI erfolgt nach gezielter hormoneller Vorbereitung des Endometriums. Hier kann neben den oben genannten Aspekten zusätzlich die Präzision des zeitlichen Musters der Gewebeumwandlung zum Implantationsfenster geprüft werden.
Diese Beurteilung hilft bei der Synchronisation von Embryo und Endometrium für einen
Kryotransfer.

Untersuchungsablauf

Die Probenentnahme über eine Pipelle erfolgt wie bei einer regulären gynäkologischen Untersuchung mit Abstrichentnahme. Durch das Einbringen des Entnahmekatheters in die Gebärmutter kann gleichzeitig der Zugangsweg über den Gebärmutterhalskanal getestet werden. Hier ist die freie Passage für den Embryotransfer zu einem späteren Behandlungszeitpunkt nötig.
Der Untersuchungszeitpunkt richtet sich nach dem gewünschten Untersuchungspanel.
Im Spontanzyklus wir meist eine Biopsie in der zweiten Zyklushälfte gewünscht sein, ist aber grundsätzlich zu jedem Zeitpunkt möglich.

Zur WOI Diagnostik ist die präzise Hormonwirkzeit zu beachten. Die Patientin erhält dabei eine Progesterongabe wie im Kryo-Transferzyklus. Vor Beginn der Progesterongabe sollte der endogene Progesteronserumwert < 1,5ng/ml gemessen werden. Nach 137h (5d+17h) Progesteronsubstitution im üblichen Vorbereitungsalgorithmus eines Kryo-ET Zyklus (z.B. 3×200 mg/d Progesteron vaginal) wird die Pipellenbiopsie entnommen. Das entspricht dem Zeitpunkt des embryonalen hatching in einem Transferzyklus. Wir beurteilen die Biopsie funktional für den Zeitbereich der ersten Kontaktaufnahme der Trophoblasten mit dem luminalen Epithel des Endometriums.

Klinische Angaben wie die sonografische Höhe des Endometriums (in mm) und der Strukturaufbau (trilaminar pattern), aber auch Hinweise auf bereits erfolgte Untersuchungen oder durchgeführte Therapien unterstützen die histologische Diagnostik.

Technik
Eingesetzte Färbungen und Marker

Untersucht wird das endometriale Gewebe mit der Standardfärbung (HE). Darüber hinaus setzen wir Östrogen- und Progesteronmarker und Ki-67 (Proliferationsmarker) ein. Zur Untersuchung, ob eine chronische Endometritis vorliegt, verwenden wir den Plasmazellmarker CD138. Eine typenspezifische Erregerdiagnostik kann hieran angeschlossen werden, um den Erfolg einer antibiotischen Therapie zu erhöhen. Als weiteren Immunzellparameter führen wir die numerische Analyse der uterinen natürlichen Killerzellen (uNK-Zellen) mit Hilfe des Markers CD56 durch.

Der Eingriff zur Endometriumbiopsie erfolgt ohne Narkose bei der gynäkologischen Untersuchung und wird von den Patientinnen im Allgemeinen gut toleriert. Das gewonnene Material wird in ein Versandtöpfchen überführt und zur Analyse versendet

Von uns erhalten Sie auf Wunsch:

• Pipelle
• Versandmaterial (Auftragsschein und Versandtasche) für den Versand per Post oder Fahrdienst
• Versandtöpfchen (10-20 ml große) Gefäße befüllt mit 4%igem gepufferten Formalin